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Pressekonferenz
Sehr
geehrte Damen und Herren,
Dies war jedoch nicht so einfach. Die schwierigste Frage war, wie kann man Frieden
darstellen? Wir entdeckten, dass es viel einfacher ist eine
Ausstellung über Krieg zu machen. Vom Krieg kann man viel zeigen. Waffen, Uniformen, Bomben
und Granaten. Auch kann man in einer Ausstellung die Folgen vom Krieg
zeigen. Fotos und Filme von verwüsteten Städten, Gefangenenlagern,
Flüchtlingen und so weiter. Aber Frieden zu zeigen ist viel schwieriger. Wir haben uns dann viel mit Kindern darüber unterhalten. Und wir kamen zu dem Schluss, dass man Frieden nicht
zeigen kann, sondern dass man ihn machen muss. Und wir haben zesammen entdeckt, dass Frieden nicht
einfach vom Himmel fällt. Frieden entsteht durch das Handeln von Menschen. Menschen haben zu jeder Zeit und an jedem Ort Kriege
geführt. Aber glücklicherweise ist das nicht alles. Menschen haben auch zu jeder Zeit und an jedem Ort Frieden
geschlossen. Die Kinder und Jugendlichen von heute haben viel Erfahrung
im Frieden machen. Und Gott sei Dank gibt es um uns herum mehr Frieden als
Krieg. Dies liegt an unserer geographischen Lage, denn es gibt
momentan fast dreißig Kriege und bewaffnete Konflikte auf der Welt. Ausserdem
werden wir täglich mit den Folgen von Gewalt konfrontiert. Und gerade deshalb ist es notwendig das täglichen Leben
von Kindern und Jugendlichen zu beeinflussen, indem man ihnen zeigt, wie sie
Frieden machen können. Und so kamen wir zu Beginn der neunziger Jahre zum Konzept
des interaktiven Lernens. Wir haben zehn interaktive Ausstellungen in den
Niederlanden, aber auch in sieben anderen europäischen Ländern gemacht, zum
Beispiel in Belgien, Italien, Frankreich, Nordirland und Russland. Es handelt sich dabei nicht um traditionelle
Ausstellungen, in denen also Texte, einige Fotos und Illustrationen im
Zentrum stehen. Das ist zu passiv. Wir haben eine Ausstellung gemacht, die Kinder und
Jugendliche einläd selbst an die Arbeit zu gehen. Entdecken, erleben und handeln sind die drei
Schlüsselwörter. Schüler können in unserer Ausstellung Wissen erwerben,
Fertigkeiten üben und Stellung nehmen. Wir erzählen den Lernenden nicht was sie über Politik oder
soziale Probleme denken müssen. Wir geben ihnen vielmehr Werkzeuge und Kentnisse an die
Hand, so dass sie eine eigene Meinung entwickeln können. Wir benutzen eine für Kinder und Jugendliche greifbare und
verständliche Definition von Frieden. Wir sagen ihnen: Überall wo Menschen einander helfen, wo
sie sich gegenseitig trösten und sich gegenseitig respektieren, dort ist
Frieden. Überall wo Menschen sich gegenseitig vertrauen und wo sie
die Erde schützen, dort ist Frieden. Dies ist eine positive Beschreibung von Frieden. Meist neigen wir dazu Frieden negativ zu definieren. Frieden ist dann die Abwesenheit von Krieg, Hunger und
Gewalt. Dies ist oft zu weit entfernt von der Lebenswirklichkeit
der Kinder und Jugendlichen. Wir wollen in der Friedensfabrik Frieden so positiv wie
möglich vermitteln. Dialog und Begegnung sind dabei zentral. Schüler untersuchen Geschichte, erkennen die Grenzen von
Toleranz und erlernen Handlungsperspektiven, wie sie in ihrem täglichen Leben
konkret Frieden machen können. So lernen sie, zum Beispiel welche Werte ihrem eigenen
Handeln zugrunde liegen. Um etwas über uns selbst und die heutige Welt zu erfahren
müssen wir uns mit der Geschichte beschäftigen. Deshalb spielt Geschichte in unserer Ausstellung eine
wichtige Rolle. Wir wollen, dass die Kinder und Jugendlichen sich mit
Geschichte auseinandersetzen. Wir wollen sie erkennen lassen, wie Vergangenes unser
heutiges Denken und Handeln beeinflußt und was sie selbst zum Zusammenleben
der Menschen beitragen können. Wir stellen den Lernenden in die Gegenwart und lassen ihn
von dort in die Vergangenheit und in die Zukunft schauen. Die menschlichen Erfahrungen von Verzweiflung, Verrat und
Gewalt spielen dabei eine eben so wichtige Rolle wie das Erleben von
Hoffnung, Zivilcourage, von Widerstand und gewaltfreier Konfliktlösung. Dabei möchten wir im wahrsten Sinne des Wortes
grenzüberschreitend tätig sein. Zum Beispiel gibt es in unserer Ausstellung Raum um an den
deutschen Soldatenfriedhof in den Niederlanden zu erinnern, auf dem 32.000
deutsche Soldaten begraben liegen. Uns ist es wichtig Geschichte aus vier verschiedenen
Perspektiven zu analysieren: aus der der Opfer, der Täter, der Zuschauer, und
der Widerständler. In der Friedensfabrik können Schüler zwischen zehn und
fünfzehn Jahren Frieden und Freiheit produzieren. Um sie dabei zu unterstützen haben wir Maschienen und
Apparate gebaut. In Paaren folgen die Kinder einem Ausbildungspfad durch
diese Maschienen. Sie benutzen eine Routenkarte, die zum einen
Ausstellungsführer ist und auf der zum anderen unterwegs immer wieder etwas
aufgeschrieben wird. Für Dozenten und Begleiter wurde ein Handbuch
zusammengestellt. Darin werden Vorschläge gemacht, wie die Themen der
Austellung nach dem Besuch bearbeitet und besprochen werden können. Und was macht die interaktiven Austellungen in so vielen
Ländern so erfolgreich? Forschungsarbeiten an den Universitäten Utrecht, Moskau
und Belfast lassen die folgenden Schlussfolgerungen zu: Die Schüler: -
erfahren
Lernen als Vergnügen -
können
mit Fakten, Meinungen und Vorurteilen umgehen -
lernen
effektiv durch Interaktion mit Gleichaltrigen -
können
Perspektiven für Frieden im Alltag erkennen -
üben
verschiedene Arten von Intelligenz -
erfahren
sich selbst als Teil eines sozialen Problems, aber auch als Teil der Lösung Die Lehrer: -
sind
Vermittler und Partner im Lernen -
geben
nicht nur Informationen weiter, sondern regen die Schüler zum selbst
Entdecken an -
unterrichten
gerne Schüler, denen Lernen ein Vergnügen ist -
finden
mehr Zufriedenheit in ihrem Beruf -
bilden
Kinder aus selbständig zu denken -
erwähnen,
dass der Lernprozess positive Auswirkungen auf den sozialen Kontext hat Die
interaktive Methode
-
umfasst
verschiedene Lernkonzepte als Antwort zur menschlichen Lernvielfalt -
hat
einen nicht-moralischen Ansatz -
bietet
innovative Möglichkeiten
zum selbstbestimmten Lernen -
hat
positive Auswirkungen in Ländern
mit (gewaltsamen) sozialen Konflikten -
stellt
soziale Probleme als Herausforderung an alle Menschen dar Ich hoffe sehr, dass unsere zweisprachige Austellung
"Die Friedensfabrik" im Preussischen Museum in Wesel zur
Friedenserziehung und zur Verständigung zwischen unseren beiden Ländern beitragen wird. Und
dies nicht nur in Wesel, sondern auch in Aachen und Osnabrück und hoffentlich in vielen
weiteren Städten. Unser Dank gilt Herrn Dr. Veltzke, dem Direktor des
Preussischen Museums, der uns eingeladen hat nach Wesel zu kommen. Ausserdem
danken wir Herrn Lenders, dem Direktor vom Nationalen Befreiungsmuseum in
Groesbeck, der den Kontakt mit dem Preussischen Museum vermittelt hat. Wir (alle) wohnen nahe beieinander. Und wir teilen eine Geschichte mit hellen und dunklen
Tagen. Wir haben viele Gemeinsamkeiten. Zum Beispiel den Wunsch nach einem friedlichen und
gerechten Zusammenleben. Mein Wunsch ist, dass die Friedensfabrik dazu beitragen
wird. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Und viel Spass in der Friedensfabrik) Utrecht, 27. Juni 2005 Jan Durk Tuinier |
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